Seine Motivation zur Mitwirkung am Gesundheitscampus Fredenbeck beschreibt Florian Rau in einem ausführlichen Schreiben, das wir hier veröffentlichen dürfen:
© Rau"Mein Interesse am Gesundheitscampus Fredenbeck ergibt sich aus einer Kombination meiner beruflichen Erfahrungen als Hausarzt und meiner tiefen Überzeugung, dass innovative Modelle die Zukunft der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen
gestalten müssen.
Der Mangel an Haus- und Fachärzten in diesen Regionen ist nicht nur ein drängendes Problem der Gegenwart, sondern auch eine Herausforderung, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Als jemand, der die Versorgungssituation in ländlichen Gebieten genau beobachtet, sehe ich den Gesundheitscampus Fredenbeck als eine wegweisende Initiative, die darauf abzielt, nachhaltige Lösungen für diese Versorgungsprobleme zu entwickeln.
Telemedizin
Eines der zentralen Elemente, das mein Interesse weckt, ist der Fokus auf die Implementierung von Telemedizin-Konzepten. In Zeiten, in denen der persönliche Zugang zu ärztlicher Betreuung in vielen ländlichen Regionen immer schwieriger wird, bietet die Telemedizin eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen. Die Nutzung digitaler Technologien ermöglicht es, Patienten auf Distanz zu betreuen, ohne dass sie weite Wege auf sich nehmen müssen, was besonders für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen von entscheidender Bedeutung ist. Der Gesundheitscampus Fredenbeck bietet eine hervorragende Gelegenheit, solche Telemedizin-Lösungen nicht nur theoretisch zu erörtern, sondern praktisch in die Versorgungslandschaft zu integrieren. Ich sehe in der Telemedizin einen entscheidenden Hebel, um die Qualität und Zugänglichkeit der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum nachhaltig zu sichern.
Einbindung der Bevölkerung
Darüber hinaus bin ich von der Idee überzeugt, dass ein modernes Gesundheitssystem auf der aktiven Einbindung der Bevölkerung und einer Umstrukturierung des Gesundheitsverständnisses beruhen muss. Der Gesundheitscampus Fredenbeck hat das Potenzial, nicht nur eine medizinische Einrichtung zu sein, sondern auch eine Plattform zur Gesundheitsbildung und Prävention. Ein starkes Gesundheitssystem basiert nicht allein auf der ärztlichen Versorgung, sondern auf einem umfassenden Verständnis von Gesundheit, das Prävention und Eigenverantwortung fördert. Der Schlüssel dazu liegt in der aktiven Beteiligung der Bevölkerung an ihrem eigenen Gesundheitsprozess. Ich sehe die Chance, über den Gesundheitscampus eine neue Kultur der Gesundheitskompetenz zu schaffen, bei der die Menschen nicht nur als Patienten wahrgenommen werden, sondern als aktive Partner im Gesundheitsprozess.
Ein solcher Ansatz kann durch die Einbeziehung nichtärztlichen Personals und qualifizierter Laienhelfer unterstützt werden, die in der Lage sind, viele Aufgaben in der Basisversorgung zu übernehmen. Diese interdisziplinären Teams entlasten nicht nur die Ärzte, sondern ermöglichen auch eine dezentralisierte Versorgung, die den Menschen vor Ort unmittelbaren Nutzen bringt. Der Campus könnte so ein Vorbild für andere Regionen sein, indem er zeigt, wie man mit einer Kombination aus ärztlicher Expertise, digitaler Innovation und gesellschaftlicher Teilhabe die Gesundheitsversorgung revolutionieren kann.
Langfristige Ansätze
Was mich darüber hinaus am Gesundheitscampus Fredenbeck fasziniert, ist die Möglichkeit, nicht nur kurzfristige Lösungen für die medizinische Versorgung zu finden, sondern langfristig das Verständnis von Gesundheit und medizinischer Betreuung in ländlichen Regionen zu transformieren. Es geht nicht nur darum, Lücken zu füllen, sondern darum, ein nachhaltiges System zu schaffen, das den speziellen Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung gerecht wird. Der Gesundheitscampus kann dabei ein Leuchtturmprojekt werden, das weit über die Region hinaus wirkt und als Modell für ähnliche Initiativen in anderen ländlichen Gebieten Deutschlands dient.
Insgesamt sehe ich den Gesundheitscampus Fredenbeck als einen Ort, an dem moderne Gesundheitskonzepte und Technologien auf die traditionellen Herausforderungen der ländlichen medizinischen Versorgung treffen und gemeinsam Lösungen erarbeiten, die die Zukunft des Gesundheitssystems in diesen Gebieten sichern. Der Campus stellt eine Chance dar, die Rolle der ländlichen Versorgung neu zu definieren, digitale Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig die Bevölkerung stärker in die Gesundheitsprozesse einzubinden. Diese Vision deckt sich mit meinen eigenen Überzeugungen und Zielen, weshalb der Gesundheitscampus Fredenbeck für mich eine überaus attraktive Möglichkeit ist, aktiv an der Zukunft der medizinischen Versorgung mitzuwirken.
Warum ich den Wechsel aus der Klinik in die Praxis gewagt habe:
In meiner beruflichen Laufbahn habe ich mich kontinuierlich weiterentwickelt und anspruchsvolle Positionen übernommen, zuletzt als Oberarzt in der Viszeralchirurgie. Diese Position brachte große Verantwortung mit sich, aber auch viele Herausforderungen, die meine berufliche Zufriedenheit zunehmend beeinträchtigten. Ein wesentlicher Grund für meinen Wechsel in die Niederlassung war das Gefühl, dass die Arbeit in der Klinik oft auf zu wenigen Schultern verteilt war. Der enorme Arbeitsaufwand wurde durch eine unzureichende personelle Unterstützung verstärkt, was zu einer konstanten Überlastung führte. Dies ging zulasten der Qualität der Patientenversorgung und meiner persönlichen Work-Life-Balance. Trotz meiner Bemühungen, positive Veränderungen herbeizuführen, wurden meine Ideen und Vorschläge zur Verbesserung der Abläufe aufgrund starrer hierarchischer Strukturen kaum gehört oder umgesetzt.
Diese Strukturen in der Klinik erwiesen sich als besonders hinderlich, da es wenig Raum für individuelle Entfaltung gab. Kreativität und Flexibilität, die im medizinischen Alltag oft notwendig sind, blieben auf der Strecke. Das Gefühl, in einem System zu arbeiten, das Veränderungen nur sehr langsam oder gar nicht zulässt, war für mich zunehmend frustrierend. Ich wollte mehr Einfluss auf die Art und Weise haben, wie ich meine Patienten betreue, und die Freiheit genießen, medizinische Entscheidungen eigenständig zu treffen.
Der Wechsel in die Niederlassung als Hausarzt stellte für mich einen Wendepunkt dar. Hier habe ich nun die Möglichkeit, mein eigenes Konzept der Patientenversorgung zu verwirklichen. Ich treffe nicht nur die medizinischen Entscheidungen selbst, sondern kann auch organisatorische Abläufe und Strukturen nach meinen Vorstellungen gestalten. Die Autonomie, die ich als niedergelassener Arzt habe, gibt mir eine berufliche Zufriedenheit, die ich in der Klinik oft vermisst habe. Als mein eigener Chef kann ich flexible Entscheidungen treffen, die sowohl meinen Patienten als auch meinem Team zugutekommen. Diese Unabhängigkeit ermöglicht es mir auch, Innovationen schneller umzusetzen und neue Wege in der medizinischen Versorgung auszuprobieren.
Herausforderungen im Gesundheitssystem
Allerdings sehe ich nicht nur meine eigene Praxis im Fokus, sondern auch die größeren Herausforderungen, die das Gesundheitssystem – insbesondere in ländlichen Gebieten – betreffen. Deutschland steht vor einem zunehmenden Mangel an Haus- und Fachärzten, besonders in strukturschwachen und ländlichen Regionen. Dieser Trend ist bereits heute spürbar und wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Die traditionellen Modelle der hausärztlichen Versorgung stoßen dabei an ihre Grenzen. Immer weniger Ärzte sind bereit, in unterversorgten Gebieten zu praktizieren, da die Arbeitsbedingungen oft als wenig attraktiv wahrgenommen werden. Gleichzeitig wächst der medizinische Versorgungsbedarf aufgrund einer alternden Bevölkerung stetig.
Vor diesem Hintergrund sehe ich die Zukunft der ärztlichen Versorgung in neuen, flexiblen Praxis-Modellen. Eine vielversprechende Lösung liegt in der Zusammenarbeit mit nichtärztlichem Personal, wie speziell ausgebildeten Praxisassistenten oder Pflegekräften, die viele Aufgaben übernehmen können, die nicht zwingend ärztliches Fachwissen erfordern. Diese interprofessionellen Teams ermöglichen eine Entlastung des Arztes und eine effizientere Betreuung der Patienten, ohne dass dabei die Qualität der Versorgung leidet. Es geht darum, das medizinische Fachwissen optimal zu nutzen, während gleichzeitig Routineaufgaben von qualifiziertem nichtärztlichem Personal übernommen werden.
Zusätzlich eröffnet die Telemedizin neue Möglichkeiten, die medizinische Versorgung zu verbessern. Durch den Einsatz digitaler Technologien können Patienten auch in abgelegenen Regionen Zugang zu ärztlichem Rat erhalten, ohne weite Wege zurücklegen zu müssen. Telemedizin kann insbesondere in der Nachsorge, der Betreuung chronisch Kranker und bei Routineanfragen eine wertvolle Ergänzung darstellen. Damit ließe sich nicht nur der Fachkräftemangel in den Praxen teilweise kompensieren, sondern auch die Arbeitslast der Ärzte erheblich reduzieren.
Qualität erhalten
Insgesamt bin ich überzeugt, dass die Kombination aus innovativen Praxis-Strukturen, einer stärkeren Einbindung von nichtärztlichem Personal und dem Einsatz moderner Technologien wie der Telemedizin eine nachhaltige Lösung für die zukünftigen Herausforderungen in der medizinischen Versorgung bieten kann. Diese Ansätze ermöglichen es, die Qualität der Patientenversorgung zu erhalten und gleichzeitig den Ärztemangel in ländlichen Regionen zu bewältigen. Ich sehe es als Teil meiner beruflichen Verantwortung, diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten und Lösungen zu finden, die sowohl für Patienten als auch für medizinisches Personal tragfähig sind.
gez. Florian Rau, am 11.10.2024
Florian Rau
Praxis im Zentrum
Mittelstr 4
21698 Harsefeld
https://www.praxis-im-zentrum-harsefeld.de
Den Lebenslauf von Florian Rau können Interessierte hier einsehen:
Das Team des Gesundheitscampus Fredenbeck freut sich auf die Zusammenarbeit!

